Jetzt, wo Schnee und Eis langsam auch von den weniger befahrenen Straßen verschwinden, treten oft katastrophale Winterschäden zu Tage, und mancher mag sich fragen: Wie kommt das zustande? Weder Frost noch Salz fügen einer Straße nennenswerten Schaden zu. Die Schäden werden durch die Verkehrsbelastung verursacht. Und das geht so:
Grundsätzlich besteht eine Straße aus einem Planum, einer aufgebrachten Grobkies- oder Schotterschicht und darauf der Schwarzdecke. Die Kies- oder Schotterschicht soll zwei wichtige Aufgaben erfüllen: Sie soll die Verkehrslast möglichst gleichmäßig auf den Untergrund verteilen – das gilt überall auf der Welt, und sie soll die Zirkulation von Wasser ermöglichen, so dass sich unter der Schwarzdecke keine stauende Nässe bilden kann – das ist besonders wichtig in unseren gemäßigten Breiten.
Nun lassen sich problemlos gut dränierte Straßen bauen, aber im Laufe der Zeit setzen sich die Hohlräume in der Kies-/Schotterschicht mit Feinmaterial zu, besonders wenn die Schichtdicke nur gering ist. Das Feinmaterial kann durch Wasser von der Seite oder aus dem Planum eingetragen werden, es entsteht aber auch aus der Schicht selbst durch Vibrationen durch die Verkehrsbelastung. Das Feinmaterial behindert die Zirkulation von Wasser und kann zu stauender Nässe führen. Gefriert stauende Nässe, wird die Straßendecke angehoben. Da die Wasserverteilung unter der Fahrbahndecke nicht gleichmäßig ist, können sich Hohlräume bilden. Die plastische Verformbarkeit einer bituminösen Decke wird um so geringer, je tiefer die Temperatur sinkt, „Frostbeulen“ können sich also kaum bilden. Durch die Verkehrsbelastung können die Hohlräume einbrechen, was zu Rissen und schließlich Ausbrüchen und Schlaglöchern führt. Die verheerende Wirkung von Streusalz besonders bei billigen Nebenstraßen erklärt sich fast von selbst. Die durch tauenden Schnee entstehende Salzlake kriecht auch durch feine Risse in die Schotterschicht und taut das gebildete Eis auf, wodurch viele kleinteilige zusätzliche Hohlräume entstehen, die dann durch die Verkehrsbelastung einbrechen. Das Bruchmuster hat dann krakeleeartiges Aussehen. Besonders betroffen sind davon Straßen mit Gossensteinen. Wird die Schwarzdecke bis an den Bordstein herangeschoben, ist die Gefahr geringer. Man kann also konstatieren: Das Pökeln innerörtlicher vorwiegend horizontal verlaufender Nebenstraßen ist im Allgemeinen eine Todsünde.
Bei desolaten Straßen stellt sich oft die Frage: Kann man einfach eine dünne neue Decke aufbringen? Ist die Schwarzdecke mächtig genug, um sie in dünner Schicht abzufräsen und dann eine neue Schicht aufzubringen? Ist es sinnvoller, die Bitumendecke völlig abzuheben und zu erneuern, die Schotterschicht aber unangetastet zu lassen? Oder muss man eine Straße grundhaft erneuern, d.h. die versiffte Schotterschicht austauschen und neu verdichten, was innerstädtisch meist noch zu Problemen mit Versorgungsleitungen aller Art führt? Ein Patentrezept gibt es nicht. Die kurzfristig billigste Lösung ist das Aufsprühen von Kaltbitumen mit anschließendem Einwalzen von bitumenhaltigem Sand. Praktikabel ist diese Lösung nur bei schwachem bis mäßig starkem PKW-Verkehr. Dauerhaft ist diese Methode nicht und daher längerfristig zu teuer. Angewandt wurde diese Methode weitgehend durchgängig vor einigen Jahren auf der Berliner Straße. Eine weitere Möglichkeit: Aufbringen einer dünnen neuen Schicht. Diese Möglichkeit wird normalerweise nur teilflächig angewandt. Der Verbund zur darunterliegenden alten Straßendecke ist oft schlecht, was leicht zu Ausbrüchen führt, die im darüber fahrenden Auto als harte Schläge empfunden werden.
Die gesamte Bitumendecke wurde bei der Sanierung des Klepperbergs abgehoben, mit Kaltbitumen Geotextilmatten aufgeklebt und eine erneute Bitumendecke aufgebracht. Die Geotextilmatte wird vermutlich mit der starken Steigung der Straße begründet. Am weitesten verbreitet ist inzwischen wohl das teilweise Abfräsen der Bitumendecke und der anschließende Neueinbau. Das funktioniert meist nicht bei reinen Wohnstraßen, da dort die teilverschlissene Bitumendecke zu dünn ist. Diese Methode wird auch angewandt, wenn die Hohlräume in der Schotterschicht durch Feinmaterial bereits ausgefüllt sind. Die Lebensdauer einer derart „runderneuerten“ Straße kann sehr wohl mehr als 10 Jahre betragen.
Der grundhafte Ausbau einer Straße ist ein beliebtes Totschlagargument der Verwaltung. Diese Methode ist am teuersten, bietet aber keine Gewähr dafür, dass die Straße die anvisierten 20 Jahre übersteht.