Es war einmal eine Stadt auf dem Oberharz, deren Innenstadt trotz einiger technischer Mängel optisch ganz harmonisch und farblich gemütlich wirkte. Dann gab es ein von höherer Stelle aufgelegtes Stadtentwicklungs-Förderprogramm, das wohl gut gemeint war, das aber an die Raffke-Mentalität von Verwaltung und Rat appellierte und nicht nur erforderte, dass man die vier Grundrechenarten beherrscht sondern auch anwenden kann. Dazu kam ein emeritierter Hochschulprofessor, der sich als Stadtplaner sehen wollte und ganz tolle Ideen entwickelte von einer aufgemotzten „Campusspange“ (potemkinsches Dorf?) bis zur Naturstein-gepflasterten Bundesstraße vor dem Rathaus und attraktiven Geschäften an der verlängerten Hauptgeschäftsstraße, für die es aber keine Kunden gäbe. Alles sollte harmonisch zusammen passen.
Inzwischen ist ein Kirchplatz entstanden (sehr viel teurer als geplant), der farblich und mit seinen Lampen überhaupt nicht ins Stadtbild passt, ein großer freier Platz vor einer Bank, dessen Pflaster nicht zur angrenzenden Straße passt, und der Platz im Zentrum der Stadt soll so umgestaltet werden, dass auch er nicht mehr zur Umgebung passt. Es lebe das harmonische Stadtbild!
Bei der letzten Kommunalwahl haben eine Anzahl Bürger gemerkt, dass da etwas schief läuft. Die Folge war statt eines einfarbig dominierten ein recht bunter Gemeinderat. Jetzt sollte man die Bunten statt sie zu beschimpfen unterstützen, einen verschlungenen Weg aus der Misere zu finden, einen geraden Weg gibt es nicht (mehr). Wer meint, dass ihn das alles nichts angeht, der sollte seine nächste Grundsteuerrechnung mit vorangegangenen Rechnungen vergleichen.